Am 21. Mai 1941 fielen 3 Brüder während der Luftlandeoperation auf der griechischen Insel Kreta.

 

Als am 20. Mai 1941 der Luftangriff auf die griechische Insel Kreta unter dem Decknamen Unternehmen "Merkur"

begann, stand diese von allen Operationen des Zweiten Weltkrieges an Kühnheit an der Spitze.

Ähnliches war zuvor nie versucht worden.

Es war mehr als ein Luftangriff- es war eine Invasion aus der Luft.

Nur Fallschirmjäger und Gebirgsjäger waren im Einsatz. Eine neue Taktik der Kriegsstrategie begann.

Unter den deutschen Fallschirmjägern, die die britisch besetzte Insel erobern sollten, befanden sich auch drei Brüder,

für die Kreta vor 60 Jahren zum Schicksal werden sollte.

 

Wolfgang Graf von Blücher

der älteste von ihnen, war bereits als Lt dR und ZgFhr in der 2./FallschRgt (FJR)1 in der 7.Fliegerdivision, am 24. Mai 1940 mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet worden.

Geboren wurde er am 31. 1. 1917 in Altengottern, Kreis Mühlhausen in Thüringen, und hatte die Land- und Forstwirtschaft erlernt. Denn nach dem frühen Tod des Vaters gehörte ihm der Familienbesitz in Mecklenburg. Nach Absolvierung des Wehrdienstes und einiger Reserveübungen, meldete er sich im Januar 1940 freiwillig zur neuen deutschen Fallschirmtruppe.

Mit dem FJR 1 nahm er im April 1940 an der Besetzung Norwegens teil. Während der Kämpfe in Holland, um die Stadt Dordrecht, nahm er unter persönlichem Einsatz mit seinem Zug ein stark befestigtes Bunkernest, wofür ihm die hohe Auszeichnung verliehen worden war.

Lebrecht Graf von Blücher

  wurde 1922 in Fincken bei Mecklenburg geboren.

Er hatte 1940 sein Abitur gemacht und wollte später Ingenieur werden.

Eigentlich zog es ihn zur Marine, aber er wurde zur Infanterie nach Ostpreußen einberufen.

Als sein Bruder Wolfgang ihn fragte, ob er zu den Fallschirmjägern wolle, stimmte er sofort zu.

Seine Grundausbildung erhielt er im Januar 1941 in Tangermünde. 

Sein erster Einsatz war der Absprung am 20. Mai 1941 auf Kreta.

Hans-Joachim Graf von Blücher,

  am 23. Oktober 1923 ebenfalls in Fincken  geboren, besuchte das Internat in Misdroy an der Ostsee.

Sein großes Vorbild war sein ältester Bruder Wolfgang, und so erreichte er es mit der Einwilligung der Mutter, als Siebzehnjähriger ebenfalls zum FJR 1 zu kommen.

In Stendal, der Wiege der deutschen Fallschirmtruppe, erhielt er eine Sonderausbildung und nahm am Luftlandeunternehmen "Merkur", dem Angriff auf die Insel Kreta, teil.

Das FJR 1 kam am 20. 5. 1941 beim Angriff auf Heraklion zum Einsatz. Es hatte die Aufgabe, den Flugplatz und die Stadt zu nehmen. OLt Graf von Blücher ging mit seinem Zug innerhalb des I.Btl auf den Flugplatz vor. In der Nacht erreichte er mit seinen Soldaten kämpfend die Höhe zum Oststrand des Flugplatzes. Durch starke feindliche Gegenwehr, Teile des Btl waren bereits aufgerieben, schien es schwer, die Verbindung mit dem Zug Blücher, der sich tapfer verteidigte, aufrechtzuerhalten. Der Angriff blieb stecken. Bei Tagesanbruch setzte schweres Abwehrfeuer ein. Aus nicht zu erkennenden Feuerstellungen wurden die deutschen "Angreifer" beschossen. Das I./FJR 1 verfügte zunächst nur über 5 Mgs und konnte den Angriff auf den Flugplatz nicht zu Ende bringen.

Wolfgang von Blücher hielt bis zum Mittag des 21. Mai  seine Stellung am Oststrand des Platzes und wurde dann vom Gegner mit Hilfe von Panzerkampfwagen überwältigt. Hierbei fand OLt  Wolfgang von Blücher den Tod. Ein Jahr nach der Verleihung des Ritterkreuzes.

Sein jüngster Bruder Hans-Joachim, der ihm kurz nach dem Absprung beim Landkampf in dieser aussichtslosen Lage zu Hilfe kommen wollte, starb wenig später. Es war sein erster Sprung als Fallschirmjäger im Einsatz.

Lebrecht Graf von Blücher, der einem anderen Btl des Rgt angehörte, war in unmittelbare Nähe, ebenfalls bei Heraklion, inmitten von britischen Panzern abgesprungen und fiel zusammen mit seinen Kameraden.

Vier Wochen blieb die Familie ohne Nachricht. Das letzte Lebenszeichen war ein Brief von Wolfgang aus Athen, wo sich die Fallschirmjäger zur Bereitstellung für den Einsatz versammelten. Am 20.6 1941, die Überlebenden des FJR 1 waren nach Stendal zurückgekehrt, teilte der Kdr des Rgt der Familie mit, dass ihre drei Söhne am selben Tag auf Kreta gefallen waren.  Am 6. 10. 1974 , der Einweihung der deutschen Kriegsgräberstätte Maleme auf Kreta, nahm die Schwester, die drei ihrer vier Brüder auf schreckliche Weise verloren hatte, mit vielen hundert Menschen an der offiziellen Feierstunde teil.

Hier fanden ihre drei Brüder eine ehrenvolle letzte  Ruhestätte inmitten ihrer vielen hundert gefallenen Kameraden.

Wolfgang und Hans-Joachim, in Leben und Kampf vereint, fanden hier nach mehr als dreiunddreißig Jahren in einem gemeinsamen Grab wieder zusammen.

 

 

Quelle: Ralf Schumann